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Essen – Er hebt die schweren Obstkisten problemlos auf die Ladefläche, springt in den Tafel-Laster, lotst den Fahrer zur Ware im nächsten Supermarkt. Seit 20 Jahren engagiert sich Josef Wiederhold ehrenamtlich bei der Essener Tafel – und ist mit seinen 90 Jahren einer der ältesten Tafel-Helfer Deutschlands.

„Ich bin dankbar dafür, dass es mir so gut geht, will etwas zurückgeben“, sagt Wiederhold. Jeden Montag setzt er sich um 7.30 Uhr in den Laster. 15 Discounter und Bäckereien werden angefahren.


Trotz seines hohen Alters packt Rentner Josef jeden Montag stundenlang mit an
Trotz seines hohen Alters packt Rentner Josef jeden Montag stundenlang mit an Foto: marc vollmannshauser

Im Lager der Geschäfte sortiert er Lebensmittel in Kisten nach Obst, Gemüse und verpackten Waren. Meistens sind sie über dem Verfallsdatum, aber problemlos genießbar.

Bis zu 15 Kilo kann so eine Kiste wiegen, am Ende der Tour kommen etwa 120 Kisten zusammen. Kein Problem für den früheren Bundesbahner. Um 13.30 Uhr ist die Tour meist vorbei, am Essener Wasserturm wird die Ware an die Bedürftigen verteilt.

Vor einigen Jahren brach er sich beim Laufen die Kniescheibe, sei aber vier Wochen später wieder an der Tafel gewesen. Ein Einsatz, den er sich auch von der jüngeren Generation wünscht.


Josef Wiederholt vor einem Lkw der Essener Tafel – er wünscht sich auch von der heutigen Jugend mehr Engagement, schließlich gehe es ihr gut
Josef Wiederholt vor einem Lkw der Essener Tafel – er wünscht sich auch von der heutigen Jugend mehr Engagement, schließlich gehe es ihr gut Foto: marc vollmannshauser

„Meine Jugend haben mir die Nazis geklaut“, sagt der Tafel-Helfer, der mit 15 schon Schützengräben ausheben musste und mit 16 in Belgien in Kriegsgefangenschaft kam. Von dort kam er ins Lager in Rheinberg, erkrankte an Typhus. „Heute geht es der Jugend gut. Sie sollte sich Zeit nehmen und mit anpacken.“

Zum runden Geburtstag gab es am Freitag deshalb sogar Blumen von Essens Sozialdezernent Peter Renzel. Und Tafel-Chef Jörg Sartor (62) lobte: „Josef ist ein Vorbild für die Allgemeinheit.“

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