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Tokenisierte Wertpapiere wurden in den letzten Jahren bereits in vielen europäischen Staaten zugelassen. Die zuständigen nationalen Aufsichtsbehörden und auch die europäische Kapitalmarktaufsichtsbehörde (ESMA) sehen keine kritischen aufsichtsrechtlichen Hindernisse für Security Token Offerings und halten auch im Fall tokenisierter Wertpapiere die auf klassische Wertpapierprodukte anwendbaren Vorschriften für anwendbar.

Öffentliche Angebote von Security Token unterliegen daher grundsätzlich der direkt auf die Marktteilnehmer anwendbaren EU-Prospektverordnung. Emittenten und Anbieter von Security Token müssen deshalb in den meisten Fällen für das öffentliche Angebot der Token einen Wertpapierprospekt erstellen, der detaillierte Informationen zum Emittenten und gegebenenfalls zum Anbieter, zur Art des anzubietenden Produkts, zur Art und Weise des Angebots sowie den sich daraus ergebenden wesentlichen Risiken darstellt.

Der Prospekt muss anschließend von der zuständigen Wertpapieraufsichtsbehörde gebilligt und veröffentlicht werden, bevor das öffentliche Angebot beginnen darf. In bestimmten Fällen gibt es von der Prospektpflicht aber Ausnahmen.

Erleichterungen für Token Sales mit geringem Volumen

In Bezug auf öffentliche Angebote von Wertpapieren, deren Gesamtgegenwert in der Europäischen Union über einen Zeitraum von zwölf Monaten nicht mehr als 8 Millionen Euro beträgt, sieht die EU-Prospektverordnung die Möglichkeit für die Mitgliedstaaten vor, die Prospektpflicht entfallen zu lassen. Das gilt natürlich auch für Angebote von Security Token. In der konkreten Umsetzung der Befreiung sind die Mitgliedstaaten der EU jedoch frei, weshalb es sehr große Unterschiede in den EU-Ländern für die Regelung der Ausnahmetatbestände gibt.

In Deutschland können Security Token Offerings bis 8 Millionen Euro in der EU beispielsweise auf der Grundlage eines vierseitigen Wertpapier-Informationsblattes (WIB) angeboten werden, wenn der Vertrieb der Token über ein für die Anlagevermittlung zugelassenes Unternehmen erfolgt und Retail-Kunden nur zu bestimmten Maximalbeträgen investieren können. Andere Staaten haben den Rahmen des möglichen Emissionsvolumens nicht ganz ausgeschöpft. In Österreich etwa können Security Token Offerings nur bis zum Gegenwert von 2 Millionen Euro mittels eines Informationsdokuments durchgeführt werden.

Andere Staaten haben wiederum andere Höchstgrenzen und zum Teil weitere Voraussetzungen für die Inanspruchnahme der Ausnahmetatbestände festgelegt. Da es sich um nationale Befreiungstatbestände handelt, können WIBs und vergleichbare Dokumente nicht auch für Angebote in anderen EU-Staaten genutzt werden. Soll das Security Token Offering dennoch in mehreren Mitgliedstaaten durchgeführt werden, sind die entsprechenden Voraussetzungn aller Zielländer zu erfüllen. und ggfs. mehrere Angebotsdokumentationen zu erstellen.

Auszug aus einem Artikel von

Rechtsanwalt Lutz Auffenberg, LL.M. (London)

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